Bei vielen Brunnenbesitzern,
die Ihre Pumpe den Winter über abbauen, kommt es im Frühjahr zu
Problemen. Speziell das Ansaugen der Wassersäule bereitet vielen
Gartenfreunden Schwierigkeiten. Wir haben festgestellt, dass oftmals die
Problematik dabei nicht ganz verstanden wurde.
Ich hoffe hier einige
brauchbare Tipps geben zu können. Geht man davon aus, dass der Brunnen
in Ordnung ist, gibt es drei wesentliche Dinge zu beachten. Die Pumpe muss
luftdicht angeschlossen sein, sie muss mit Wasser gefüllt sein und ein
Wasserhahn muss geöffnet sein. Die meisten Fehler sind auf den Anschluss
zurückzuführen. In dieser Ansaugleitung sollte nur ein gut schließendes
Rückschlagventil installiert. Sonstiges, wie Schieber, Vorfilter und
Verzweigungen sind klassische Fehlerquellen und sind zu vermeiden. Da
zwischen Rückschlagventil und Brunnen nur Unterdruck herrscht, sind
Undichtheiten schwer zu erkennen. Wenn man die Wassersäule ansaugen
kann, diese aber nach längeren Standzeiten wieder abfällt, ist diese
Leitung leicht undicht. Bei größeren Undichtigkeiten in der
Ansaugleitung, können Pumpen nicht mehr anzusaugen.
Oft liegt das Problem auch
tiefer. Es gibt Brunnen, die 25 Jahre und länger halten, aber auch
viele, die nach einigen Jahren unbrauchbar sind. Die Lebensdauer hängt
stark von der Brunnenqualität, der verwendeten Materialien, dem
Eisengehalt im Wasser und dem Feinsand-Anteil ab. In den häufigsten Fällen
sind Brunnenfilter
verockert, versandet oder zersetzt. Die wohl schlechteste Variante
stellen Rammkernfilter aus den Baumärkten dar. Sie bestehen aus
mehreren Metallen, die im Wasser untereinander korrodieren und sich
zersetzen. Weiterhin bricht oftmals die Spitze beim Einrammen ab oder
die Gaze reißt. Von der Rammkernmethode ist ferner abzuraten, weil
nicht zu erkennen ist, in welcher Schicht der Filter gesetzt wird. Gute
Filtermaterialien bestehen heute aus Kunststoffen oder bei großen
Bohrtiefen aus Edelstahl und werden in Filterkiesen eingebettet. Solche
Brunnen können über 50 Jahre halten.
Wie erkennt man nun, ob der
Brunnen nicht mehr voll funktionstüchtig ist? Die ersten Anzeichen sind
ein zunehmender Luftanteil beim Ansaugen und die abnehmende
Wasserleistung. Nicht zu empfehlen ist in diesem Fall eine leistungsstärkere
Pumpe, da diese mit dem geringeren Wasserangebot noch schlechter
funktioniert und eher trocken läuft.
In seltenen Fällen kann sich
der Flurabstand durch Grundwasserabsenkungen geändert haben. Hier
sollte die Ansaughöhe nachgemessen werden, das ist die Höhendifferenz
zwischen dem Ansaugstutzen der Pumpe und dem Wasserpegel im Brunnenrohr.
Liegt diese über 7-8 Meter, muss die Pumpe tiefer montiert werden, da
diese sonst nicht fördern kann. Hierbei sei bemerkt, dass die Angabe
auf der Pumpe über die Förderhöhe sich auf die Druckseite bezieht.
Dabei bedeuten z.B. 45m einen max. Druck von 4,5 bar.
Dipl.-Ing.
Ulrich Sieber